Die Welt im Spiegel

Auf der Suche nach neuen Tehmen zur Fotografie, kam ich irgendwann auf Spiegelungen. Man muss die Welt ja nicht immer direkt ablichten. Eine Spiegelung kann ebenso reizvoll sein. Vor allem aber, kann sie den Blick und das Objekt verändern.

Laterne im Spiegel
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Laterne im Spiegel

Ein Spiegel kann alles mögliche sein. Ein Fenster, Wasseroberfläche, ein Spiegel. Also habe ich mich damals in Bremen auf einen Spaziergang durch die Stadt gemacht und nach Spiegelungen ausschau gehalten.

Angefangen habe ich auf dem Rathausplatz. Dort konnte ich in einem Kellerfenster die Spiegelung einer Laterne und des Rathauses festhalten.

Das gekippte Fenster mit den metallenen Muster im Glas lässt zunächst die Farben blasser erscheinen und gleichzeitig teilt es das Bild zusätzlich noch in Zonen ein.

Gleichzeitig sind auch die Achsen völlig verschoben. Die Neigung des Fensters erscheint anders, als die Neigung der Lampe. Gut zu erkennen, am linken Fensterrahmen. Dort verläuft die Grenze zwischen der Spiegelzone und dem Fenster ohne Spiegelung. So sieht man zwei Welten auf einem Bild.

Rathaus im Spiegel
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Rathaus im Spiegel

Das Foto mit dem Rathaus wiederum ist symetrisch zum Muster, hier sieht man nur bei genauerem Hinsehen, dass eine ganz kleine Neigung vorhanden ist. Diese scheint aber nur am Dachgiebel vorhanden zu sein, am Balkon sieht es sehr symetrisch aus. Wahrscheinlich eine Folge der unebenen Oberfläche des Glases.

Am oberen Rand, gerade auch auf der Linken Seite gehen die Linien wiederum auseinander. Im nächsten Foto sieht man eine Brücke und Kirche in der Spiegelung in einem leeren Schaufenster. Auch hier sind die Farben verblasst und irgendwie sieht es nach einem 70er Jahre Foto aus. Der Dreck auf dem Schaufensterglas, hinterlässt auch seine Spuren auf dem Foto.

Im Raum dahinter steht eine braune Tür offen. Diese lässt eine Grenze auf dem Foto erscheinen. Links davon ist alles in einen Braunton getaucht. Die Ampel zeigt rot, doch ist dies kaum zu erkennen. Rechts davon sind die Farben recht normal. Der Asphalt der Straße wirkt grau und nicht mehr braun. Auch der Dreck ist nicht mehr deutlich zu sehen.

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Der Radfahrer fährt auf diese Grenze zu. Man könnte sich vorstellen, dass hier ein Übergang zu einer anderen Welt oder der Gegenwart ist. Links 40 Jahre zurück und nach rechts fährt er in die Gegenwart.

Das Bild mit dem X zeigt, auch Wasser bietet sich gut als Spiegelung an. Diesmal allerdings nicht als direkte Spiegelung eines Motivs, sondern als Reflektionsfläche für Licht, dass an diesem Brückenfpeiler ein X wirft.

Die Muster an der Mauer, die wahrscheinlich durch die kleinen Wellen auf der Weseroberfläche verursacht werden, lassen auch die Vorstellung an eine Sanduhr zu.

Auf jeden Fall ein gutes Beispiel, dass man, gerade in der Stadt, immer die Augen offen halten sollte. Meist bieten sich gute Gelegenheiten nicht offensichtlich an. An der Stelle hatte ich vorher noch ein Fahrrad fotografiert. Daraufhin blieb ich noch etwas an der Stelle stehen um die geschossenen Fotos zu begutachten und entdeckte dieses Schattenspiel eher zufällig. Wahrscheinlich hätte ich es unter anderen Umständen eher übersehen. Vor allem aber, wenn ich nicht dieses Thema für diesen Tag ausgesucht hätte.

Der zerbrochene Spiegel ist aus dieser Serie mein Lieblingsfoto. Der Spiegel ist ein Badezimmerspiegel, der auf einem Haufen Sperrmüll liegt. Der untere Bereich ist gebrochen und es fehlen einige Stücke. Er zeigt den restlichen Müll, der von einem Leben zeugt, das sich verändert hat oder nicht mehr existiert.

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Teilweise ist nicht zu unterscheiden, ob der Spiegel schmutzig ist, oder die Teile, die zu sehen sind. So zeigt er gleichsam eine Vergangenheit, die endgültig auf dem Müllhaufen der Geschichte liegt und so wie sich selbst, kann er auch diesen Haufen Müll nicht mehr flicken und wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen.

Alles musste Platz machen, für etwas neues. Eine neue Gegenwart und eine neue Zukunft. Man sieht gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wobei man sich die Vergangenheit wohl mit etwas Phantasie vorstellen muss.

Hier zeigen sich auch keine geraden Linien. Die Bruchkanten sind willkürlich, ebenso wie die Schichtung des Müllhaufens. Teile des Spiegels fehlen, ebenso wie die Informationen, die dem Betrachter für ein Gesamtbild fehlen. Wem haben diese Sachen gehört und warum liegen sie nun da? Nur eine normale Renovierung, Umzug, oder gar eine Haushaltsauflösung wegen eines Todesfalls?

Müll kann viele Geschichten erzählen. Das wissen vor allem die Soziologen. Doch hier bleibt alles der Phantasie des Betrachters überlassen.

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Man mag diese unsymetrischen Linien und andere Merkmale für einen Makel halten und einen besseren Ausschnitt fordern, doch ich finde diese Unvollkommenheit gerade so interessant an solchen Bildern. Zumindest bei dieser Serie.

Hier kommen die Unvollkommenheit der zur Reflektion benutzten Materialien und der jeweilige Blickwinkel, der eingenommen werden muss um überhaupt das richtige Motiv darauf zu sehen auf einem Bild zusammen und ergeben wiederum eine Art Unvollkommenheit, die ich gerade hier gut finde, da sie die Surrealität betont.

Es ist eben nicht die direkte Betrachtungsweise, sondern eine über Umwege, auf dem Weg zu, Betrachter wird das Licht gebogen und verändert. Genau das passiert ja eigentlich auch in einer Kamera, doch hier wird es sichtbar.

Jens

Fotografiert seit seiner Kindheit. Zuerst mit einer Agfa Kompaktkamera, Später mit einer Canon EOS 500, EOS 5 und zur Zeit mit einer Canon EOS 500D.

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