Schwarz und Weiss

Geländer
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Geländer

Schwarz-Weiss Bilder führen seit der Erfindung des Farbfilms ein Nischendasein. Kräftige Farben sind heutzutage wichtig und schön anzusehen sind sie auch. Doch auch monochrome Bilder haben ihren Reiz und auch Vorteile.

ich nehme jedes Foto im RAW Format auf, was die Konvertierung in Schwarz-Weiss vereinfacht. Die Frage die ich mir stelle ist: brauche ich die Farbe wirklich, oder stört sie vielleicht nur? Das hängt einmal vom Motiv ab, von der Belichtung und dem Ziel das ich verfolge und welchen Effekt ich erreichen möchte.

Als Beispiel habe ich vier Bilder genommen, die ursprünglich in Farbe aufgenommen wurden und schließlich ohne Farbe endeten. Bei jedem Bild war der Grund einer Konvertierung ein anderer.

White Water
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White Water

Das erste Bild zeigt ein leicht verwittertes Brückengeländer mit einem verwelkten Blatt und Spinnweben. Hier liegt die Überlegung nahe, das Alter und den Verfall zu betonen. Das geht ohne Farbe besser, da wir mit Schwarz-Weiss meist etwas altes assoziieren. Da auch die Farbversion nicht allzu bunt ist, ist die Farbe auch nicht so wichtig. Der ursprünglich grüne Hintergrund könnte sogar nachteilig sein.

Ein weiterer Aspekt, monochrome Bilder vertragen wesentlich mehr Kontrast. Der Kontrast ist sogar das wichtigste dabei. Dadurch wirkt das Geländer deutlich plastischer und sticht mehr heraus und die sehr feinen Spinnweben sind auch besser zu sehen.

Hier diente die Konvertierung also vor allem dazu, einen gewissen Look zu erhalten und das eigentliche Motiv mehr zu betonen. Farben tragen nichts zum Bild bei und können daher weggelassen werden.

Old Bridge
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Old Bridge

Das zweite Bild zeigt einen kleinen Wasserfall im Englischen Garten in München. Hier fiel mir die Entscheidung schon schwerer. Die bewachsenen Felsen sehen in Farbe sehr gut aus und tragen durchaus etwas zum Bild bei.

(Zum Vergleich eine farbige Version des Wasserfalls.)

Ich wollte dann aber doch lieber Wert auf das aufgeschäumte Wasser legen und das ging am besten mit einer Schwarz-Weiss Konvertierung. Somit spielen auch hier wieder Kontraste eine wichtige Rolle. Was in Farbe vielleicht etwas überbelichtet wirkt, bietet in S/W genau den Effekt, den man haben will.

Shadow Rails
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Shadow Rails

Das dritte Bild von der etwas verwitterten Brücke war in Farbe leicht überbelichtet und gab auch sonst nicht viel her. Eigentlich ein schönes Motiv, aber so, wie ich es fotografiert hatte, gab es nicht so viel her wie erhofft.

Damit hatte ich die Wahl zwischen löschen und mir was einfallen zu lassen. Ich erinnerte mich an alte Fotos vom Anfang des 20. Jahrhundert. Also erst einmal die Farben weg. Die Kontraste kräftig erhöht und mit Photoshop Bildrauschen hinzugefügt, noch ein wenig nachgeschärft und fertig ist das alte Bild.

So konnte ich eine eigentlich verpfuschte Aufnahme noch retten und etwas interessantes daraus machen. Die Bäume rechts im Hintergrund wirken etwas ausgewaschen un die sehr hell erleuchtete Brücke leicht unscharf und der Beton sehr verwittert. Was mich noch ein wenig stört sind die Pflanzen rechts unten, aber man kann halt nicht immer alles haben.

Kommen wir zum letzten Bild. Auch das wirkte in der Farbversion recht langweilig. Das Laub am Boden gab nicht viele Farben her und auch sonst passiert da nicht so viel. Wenn man aber die Farbe raus nimmt, die Kontraste, sowie den Schwarzanteil erhöht, sieht man in der Mitte deutlich einen Schatten, der an Bahngleise erinnert. Durch den starken Kontrast wird die Aufmerksamkeit auch deutlich auf die Brücke selbst gelegt und der Vor- und Hintergrund lenkt nicht mehr so sehr ab.

Wie man an den Beispielen sieht, kann eine S/W Konvertierung durchaus Sinn machen. Nicht immer sind Farben nötig oder sinnvoll für ein Bild. Es gibt sogar Fälle, wo dies die letzte Rettung für ein Foto ist. Also einfach mal out of the Box denken und überlegen, wie die Welt ohne Farben aussehen könnte.

Jens

Fotografiert seit seiner Kindheit. Zuerst mit einer Agfa Kompaktkamera, Später mit einer Canon EOS 500, EOS 5 und zur Zeit mit einer Canon EOS 500D.

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